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1980er Jahre

"Früher war alles besser"

Füher war alles besser "Früher war alles besser" oder auf gut Tirolerisch: "Friaga woar olles bessa!" - Das bekommt man oft von Leuten meines Semesters oder noch reiferen zu hören. So etwas macht auch vor dem Fußball nicht halt. Darum kriege ich auch oft unter die Nase gerieben, ja dies und das hätte es zu dieser und jener Zeit nicht gegeben, sogar niemals. Ich habe vieles aber noch ganz anders in Erinnerung und darum habe ich einmal in meiner Schatztruhe gekramt und bin gleich fündig geworden. Da brauchte ich gar nicht lang suchen und habe ein Juwel aus dem Jahr 1983 gefunden.


Beschimpfungen und Drohungen

Erinnern wir uns an den Herbst letzten Jahres zurück. Der wackere Spielerbus ratterte am Tivoli nach einer Auswärtspartie ein. Heraus stolperten total geknickte Schwarz-Grüne. Da aber auch kurz vorher ein Bus mit Fans an selber Stelle die Landeklappen ausfuhr, gab es von einigen frustrierten Anhängern Schelte und Schimpfe für das Team, worauf Spieler und Angestellte mit Unverständnis reagierten: zum Teil zu Recht, zum anderen müssen sie nach solchen Leistungen, wie im Herbst abgeliefert worden sind, wohl damit rechnen, dass sie in Innsbruck nicht mit Samthandschuhen empfangen werden. Und da war sie wieder die Floskel, dass es dies früher nie gegeben hätte. Eine „Floskel“, welche ich jetzt wiederlegen werde.

Es war sogar noch ärger

Im Vorfeld der Europacuppartie gegen den FC Köln im Jahre 1983 nahm Franz Wolny, der bis zu diesem Zeitpunkt als Rekordtrainer am Tivoli (3 ½ Jahre) agierte, frustriert seinen Hut und machte U 21-Trainer Heinz Binder Platz. Dabei hatte Wolny zwei Jahre zuvor den Aufstieg geschafft, war mit seinen Schwarz-Grünen auf Anhieb Fünfter (unter 16 Vereinen) und belegte 1982/83 den sensationellen dritten Platz. Aber das von den siebziger Jahren verwöhnte Publikum wollte mehr. Größere Erfolge wurden angestrebt, die aber mit dem sportlichen Umfeld von Innsbruck kaum zu schaffen waren. Die Konkurrenten Rapid und Austria Wien waren noch dazu mit Starspielern gespickt gewesen.

Trotz einer hervorragenden Saison (besonders am Tivoli) reagierte das Publikum immer unzufriedener. Der Beginn zur Saison 1983/84 war mehr als schleppend verlaufen und als Wacker zuhause auch noch 0:2 gegen St. Veit zurück lag, entlud sich komplett der Zorn des Volkes. Zwar konnte Innsbruck noch ausgleichen, aber die defensive Spielweise trieb der wackeren Anhängerschar die Zornesfalten auf ihre „Sturschädel“. Dem aber nicht genug, mehrmals wurden Wolnys Frau und dessen Sohn regelrecht bedroht. So sehr, dass der Erfolgstrainer seinen Stuhl am Tivoli räumte und frustriert ein Jahr Pause machen wollte. Zu sehr ging ihm das an seine Nieren. Zumindest meinte Franz bei seinem Abschied  "3 ½ Jahre mit demselben Arbeitgeber bringen um harten Profigeschäft auch nicht viele zusammen".

Neue Besen kehren gut

Das möge man meinen. Heinz Binder wollte mit eiserner Faust durchgreifen. Aber nach einem 0:0 gegen den Wiener Traditionsverein FavAC dürfte die wohl eher aus Schaumgummi gewesen sein. Aber siehe da, vier Tage später wird der Tivoli gestürmt, als sich der FC Köln die Europacupehre gab. Fast 18.000 wollten die „Geißbocke“ verlieren sehen und die wurden glatt geschlachtet. Zwar war das Zerlegen der „Viecher“ ein hartes Stück Arbeit, aber die Rheinländer wurden schließlich mit 1:0 bezwungen.

In der Meisterschaft „pfui“

Gegen Rapid gab es dann eine 1:5 Schlappe und gegen die Admira verirrten sich keine 4000 auf das Tivoli. Aber dann kam es knüppeldick: Das Rückspiel in Köln brachte einen „Schrauben“, der mit dem Sattelschlepper nach Hause gebracht werden musste. Bis zur Pause ging es ja gerade noch. Wacker war 1:3 hinten und ein Tor hätte die Europacupträume der Schwarz-Grünen weiter leben lassen. Aber es kam anders. Die „Buam“ des eiserenen Heinz stürmten ins Verderben und bekamen mit 1:7 ihren Innsbrucker Hosenboden versohlt. Das verwöhnte Innsbrucker Publikum reagierte dann auf seine Weise. In den nächsten Heimspielen nach der Kölner Klatsche pilgerten dann kaum mehr über 2000 Zuseher auf den Tivoli.

Der Unterschied

So überlasse ich jeden selbst die Beurteilung, ob es zu früherer Zeit immer besser war. Der Tivoli war sogar schon mal gesperrt, es gab Strafen und auch so mancher Schiedsrichter musste durch einen Geheimgang aus dem Tivoli befördert werden, sonst hätte er sich wohl eine “gesunde“ Tiroler Watschn eingefangen.  Es gab auch keinen Publikumsrückgang, sondern die Zuschauer blieben nämlich fast ganz aus. So sehr, dass eine Saison später der Kader des FC Wacker Innsbruck zu einem großen Teil mit Amateuren gespickt war. Heute mit der Zehnerliga wäre das nicht mehr denkbar, aber meiner Meinung nach trug das Publikum so auch das Ihre zum Identitätsverlust 1985 bei, als Name und Farben des Vereins komplett geändert wurden. Zu diesem Thema und noch zu vielen weiteren werde ich dann sicher wieder in der schwarz-grünen Truhe fündig werden.

 


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Geschrieben von Rudolf Tilg
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